„Meinen die wirklich mich?“ – Mein Buch
Sicher viel zu früh, sagte ich, als die erste Anfrage nach einem Buch kam. Aber es sollen ja keine Memoiren sein, versicherte man mir, sondern ein aktuelles Künstler-Portrait in Buch-Form. Schön und gut. Doch wie sollte dieses Portrait aussehen, und wer sollte es gestalten? Ein Selbstportrait zu verfassen, dafür hatte ich nicht die nötige Zeit. Außerdem wäre diese Form zu einseitig gewesen. Ich brauchte einen kompetenten und vertrauenswürdigen Autor, und nach unserer Zusammenarbeit für den Film „Ein ganz normaler Held“ schien mir Thomas Voigt der richtige Mann zu sein. Beim ersten Konzeptgespräch wurde klar, wie das Ganze aussehen könnte, eben keine klassische Biographie, sondern ein großes, thematisch gegliedertes Interview, dazwischen biographische Abschnitte und Beiträge von Kollegen, Dirigenten, Theatermachern und Journalisten.
Ich hoffe, dass diese „Mischung“ Gefallen findet, und ich möchte an dieser Stelle ausdrücklich allen danken, die zum Gelingen des Buches beigetragen haben, vor allem meinem Lehrer Michael Rhodes und den „Gast-Autoren“: Angela Gheorghiu, Natalie Dessay, Christa Ludwig, Gabriele Strehle, Antonio Pappano, Franz Welser-Möst, Alexander Pereira, Peter Gelb, Jürgen Kesting - und Plácido Domingo, der das Vorwort verfasste.
Der Titel „Meinen die wirklich mich?“ bezieht sich auf meine Reaktion beim ersten Solo-Vorhang an der Met. Es war einer der unvergesslichen Momente in meinem Leben, und so steht auch das Met-Debüt am Beginn des Buches.
Jonas Kaufmann
Thomas Voigt:Jonas Kaufmann
„Meinen die wirklich mich?“
Henschel Verlag, Leipzig 2010
176 Seiten mit 51 Abbildungen
€ [D] 19,90 € [A] 20,50
ISBN 978-3-89487-669-2
„Das gescheiteste Opernbuch seit langem“
Das Buch von Jonas Kaufmann und Thomas Voigt findet reißenden Absatz. Nur vierzehn Tage nach dem Erstverkaufstag (14.7.2010) hat der Seemann-Henschel-Verlag die zweite Auflage in Auftrag gegeben. In ihrer Besprechung für die Sonntagszeitung der „Frankfurter Allgemeinen“ (25.7. 2010) bezeichnete Eleonore Büning die (Auto-) Biographie als „das kompakteste, gescheiteste, kritischste Opernsachbuch seit langem.“
„Ein triumphales Bayreuth-Debüt“
lautet das Fazit in der Besprechung des „Münchner Merkur“, „eine Sternstunde, wie sie die Annalen des Bayreuther Festspielhauses wohl seit Jahrzehnten nicht mehr verzeichnen konnten“, stand in der „Berliner Zeitung“ zu lesen - Jonas Kaufmanns erster Auftritt am Grünen Hügel, als Titelfigur in der „Ratten“-Inszenierung von Hans Neuenfels, wurde von Publikum und Presse gleichermaßen bejubelt. Der „derzeit führende Lohengrin weltweit“ habe in der der Gralserzählung „ein Meisterwerk der Sangeskunst“ geboten („Rheinische Post“), mit „sensationellem Piano und Pianissimo“ („Hamburger Abendblatt“).
„Vom Häuslebauer zum Rattenfänger“: Nach der Münchner „Wüstenrot-Inszenierung“ im vergangenen Jahr ist Jonas Kaufmann jetzt Protagonist im Tierversuchslabor von Hans Neuenfels, wobei vom Ratten-Outfit im Finale des zweites Aktes nurmehr die Pfoten übrig geblieben sind. Kaufmanns Partnerin als Elsa ist Annette Dasch.
Mit freundlicher Genehmigung der Bayreuther Festspiele / Fotos: Enrico Nawrath
ECHO Klassik 2010: „Sänger des Jahres“
Die Deutsche Phono-Akademie, das Kulturinstitut des Bundesverbandes Musikindustrie, hat die Preisträger des diesjährigen ECHO Klassik bekannt gegeben. Für sein CD-Album „Sehnsucht“ wurde Jonas Kaufmann als „Sänger des Jahres“ ausgezeichnet. In den vergangenen Jahre erhielten u. a. folgende Sänger und Sängerinnen die begehrte Trophäe: Cecilia Bartoli, Renée Fleming, Anna Netrebko, Angela Gheorghiu, Rolando Villazón, Christian Gerhaher, Philippe Jaroussky und Simon Keenlyside.
Die ECHO Klassik-Preisträger werden durch eine elfköpfige Jury ermittelt, die sich aus herausragenden Persönlichkeiten aus Politik, Kultur und Medien, der ZDF-Musikredaktion und dem Arbeitskreis Klassik des Bundesverbandes Musikindustrie e. V. zusammensetzt. Die Preisverleihung findet am 17. Oktober 2010 in der Philharmonie Essen statt, das ZDF überträgt die Gala am selben Abend ab 22:00 Uhr unter dem Titel „Echo der Stars“.
Der Münchner „Lohengrin“ auf DVD
Im Vorfeld von Kaufmanns Bayreuth-Debüt hat Decca die umstrittene „Wüstenrot“-Inszenierung von Richard Jones auf DVD veröffentlicht, die letztes Jahr bei den Münchner Opernfestspielen herauskam. So sehr die Konstruktion des Eigenheims polarisierte, so einig war man sich bei den Bauherren: Jonas Kaufmann und Anja Harteros wurden von Presse und Publikum gefeiert und von den Autoren der „Opernwelt“ zu den „Sängern des Jahres“ gekürt.
„Mein lieber Schwan“. Texte zu Lohengrin von Thomas Voigt
Preis der Italienischen Musikkritiker
Für seine Leistungen im vergangenen Jahr, u. a. für sein Portrait des Don José in der Neuinzenierung von „Carmen“, mit der am 7. Dezember 2009 die Saison der Mailänder Scala eröffnet wurde, erhielt Jonas Kaufmann den „Premio Della Critica Musicale Franco Abbiati“. In der Begründung der Jury heißt es:
Er verfügt über ein faszinierendes unverkennbares Timbre und über eine sehr wandlungsfähige Stimme, die ihn in die glückliche Lage versetzt, ganz unterschiedliche Rollen gestalten und mit derselben Autorität und Meisterschaft auch das Lied-Repertoire singen zu können. Seine Gesangstechnik ist ausgezeichnet, seine Musikalität unbestechlich. Was darüber hinaus das Publikum immer wieder begeistert ist seine Glaubwürdigkeit als Darsteller und seine Fähigkeit, traditionelle und moderne Aspekte der Interpretation zu vereinen.
Mit dem Preis der italienischen Musikkritiker, benannt nach dem renommierten Musikologen des „Corriere della sera“, werden jährlich nur zwei Sänger ausgezeichnet. Neben Kaufmann war es in diesem Jahr die Altistin Sara Mingardo. In den vergangenen Jahren erhielten den „Premio Abbiati“ u. a. Samuel Ramey, Edita Gruberova, Alfredo Kraus, Marilyn Horne, Hermann Prey, Mirella Freni, Hildegard Behrens, Renata Scotto, Waltraud Meier, Simon Keenlyside, Juan Diego Florez und Ildebrando D’Arcangelo.
Schubert „Die Schöne Müllerin“
Seit 16.10.2009 ist sie erhältlich: Unsere Live-Aufnahme von Schuberts „Die Schöne Müllerin“, der Mitschnitt des Konzerts, das Helmut Deutsch und ich am 30. Juli im Max-Joseph Saal in München gegeben haben. Es ist meine erste Liedplatte für Decca und meine erste Aufnahme eines Schubert-Zyklus. Ich wollte „Die schöne Müllerin“ gerne aufnehmen, bevor meine Stimme dafür zu reif ist. Denn neben Schumanns „Dichterliebe“ ist „Die Schöne Müllerin“ der Liederzyklus, der am meisten nach einer jungen Stimme verlangt – und auch nach einer jungen Seele. Es geht hier ja um einen jungen Menschen, der frisch und fröhlich, völlig unbekümmert in die Welt hinauszieht – und dann mit voller Wucht ins Messer rennt. Seine unglückliche Liebe zur Müllerin ist seine erste schmerzvolle Erfahrung. Und damit diese „Unschuld“ einigermaßen glaubhaft wirkt, sollte der Interpret nicht allzu reif klingen.
Das auf dem CD-Cover abgebildete Gemälde schuf Joseph Stieler 1831 im Auftrag König Ludwigs I. von Bayern: ein Portrait der 18jährigen Helene Sedlmayr, Tochter eines Schumachermeisters. Da man in dem Portrait das Schönheitsideal von Schuberts Zeit verwirklicht sah, wurde das Gemälde als „Die schöne Münchnerin“ bekannt. Helene Sedlmayr heiratete später König Ludwigs Kammerdiener Miller und hatte zehn (!) Kinder mit ihm.
Jonas Kaufmann
Über die "Sehnsucht"
Mit Jonas Kaufmann gibt es nach längerer Wartezeit wieder einen deutschen Sänger, der die Gesangsbögen eines Lohengrin und Walther von Stolzing so schön singt, als wären es Kantilenen von Verdi und Puccini. Wagners Ideal einer Verbindung von "deutscher" Ausdruckstiefe und italienischer Gesangskultur nimmt Gestalt an. Kaufmann beherrscht ein breites vokales Spektrum: vom leisen, innigen Ton bis zum dramatischen Ausbruch, von der lyrischen Innigkeit des Prinzen Tamino über den heldischen Ton eines Siegmunds bis hin zu der schmerzhaften Menschwerdung Parsifals – ein Kosmos der Gefühle!
Aus: "Wagner cantabile" von Thomas Voigt, Klassikakzente II, 2009



