Probleme

Ständige Heiserkeit war bei mir an der Tagesordnung, manchmal wusste ich während einer Vorstellung kaum, ob ich bis zum Ende des Abends werde singen können. Dazu kam, dass ich natürlich auch noch keine Routine im Beruf hatte, wusste noch gar nicht sicher, wie mit meiner Stimme, meinem Arbeitsgerät umzugehen. Erst im nach hinein weiß ich, dass ich Vieles falsch gemacht habe. Das ist in etwa so, als ob man mit seinem Auto immer im falschen Gang fährt, der Motor nimmt Schaden. Ähnlich war es auch mit meiner Stimme. Erschwerend in solch einer Situation ist, dass dies für einen Berufssänger nicht nur Existenz bedrohend sein kann, es ist auch ein Tabu – man spricht nicht darüber. Man sucht vielleicht den Rat vertrauter Kollegen oder konsultiert Fachleute wie spezialisierte Ärzte beispielsweise – und jeder rät etwas Anderes. Gerettet hat mich schlussendlich Michael Rhodes: der lebenserfahrene amerikanische Gesangspädagoge unterrichtete in Trier und ich fuhr mehrmals wöchentlich hin. Was er mich lehrte, brachte mich zum Wendepunkt meines Lebens.
Auf einen Nenner gebracht könnte man sagen, dass er ein bisschen Archäologe war und erstmal meine “natürliche Stimme“ freilegte – es klingt ganz einfach, wenn jemand sagt, du sollst mit „deiner eigenen Stimme singen“. Aber es dauerte seine Zeit, die “modischen Stuckarbeiten“ und überflüssigen “technischen Installationen“ bei mir zu entfernen – die “Grundmauern meiner Stimmsubstanz freizulegen“. Dann war er Psychologe und gab mir genug Selbstvertrauen, den neuen, anderen Sound zu akzeptieren: „Just relax and sing“ – „Entspann dich und sing“ war sein Imperativ und war genau richtig für mich in dieser Situation. Meine Stimme wurde dichter und dunkler, die Heiserkeit war weg und es fiel mir auch leichter mit meinem Instrument zu arbeiten. “Gas geben “ ging plötzlich ganz einfach und trotzdem blieb die Präzision, das “Feintuning“ nicht auf der Strecke. Dann kam das vielleicht Wichtigste, Entscheidenste: der Beruf begann richtig Spaß zu machen. Ich hatte Freude am Spielen, musste mich nicht mehr ausschliesslich um meine Stimme kümmern und begann zu spüren, wie Singen und Spielen bei mir zusammenwuchs.