Extrachor

Durch ein Zeitungsinserat in unserem Stadteilblatt landete ich bei meinem ersten Vorsingen und so im Extrachor des Staatstheaters am Gärtnerplatz. Tenorstimmen waren immer Mangelware und wenn die hauseigene Chorstärke nicht ausreichte, kam der Extrachor zum Einsatz. Das wunderbare Münchner Traditionstheater mit immerhin etwa 900 Zuschauerplätzen stand damals bereits seit einigen Jahren unter der Generalintendanz von August Everding. Das Repertoire bot alles von Rigoletto (Oper) über das Weisse Rössl (Operette) bis hin zum Musical wie beispielsweise Cabaret. Ich erinnere mich lebhaft an den Liebestrank von Donizetti in einer ganz neuen Inszenierung von Christine Mielitz, Schülerin von Götz Friedrich, die bei Harry Kupfer assistiert hatte und zu dieser Zeit an der Dresdner Semperoper, sowie in Zürich inszenierte. Ihre Interpretation der Oper als ländliches Postkartenidyll ist mir lebhaft in Erinnerung geblieben. Viel stärker als die Inszenierung hat sich das Gefühl dieser aufregend unmittelbaren Nähe zu den bewunderten Solisten eingeprägt. Ich konnte spüren wie sie einatmen, die Kraft und ergreifende Zartheit ihres Ausdrucks miterleben – ich war zum ersten Mal selber ein Teil dieses ganzen Geschehens. Wenn man so will habe ich auf diese Weise nicht nur die Oper wirklich lieben gelernt sondern auch schon während der Schulzeit für meinen späteren Beruf geübt – ohne es zu ahnen.